Forderungen

Lückenloser Lebenslauf? Wie langweilig! – Warum die Lücken wichtig für Unternehmen, Studenten und ganz Deutschland sind!

Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger

Wer Karriere in unserer heutigen Wirtschaftswelt machen möchte, folgt einer einfachen Formel: Raus aus der Schule, rein in die Uni. Raus aus dem Hörsaal, rein ins Praktikum. Raus aus der Uni, rein in den Job. Das Produkt: Eine Armee von Klonen.

Was unterscheidet die einzelnen Kandidaten da noch von einander? Wie soll ein Personaler hier eine fundierte und an der zukünftigen Entwicklung des Kandidaten ausgerichtete Entscheidung treffen? An der Dezimalstelle der Endnote? An der Tagesdifferenz, die ein Kandidat im Praktikum verbracht hat? Und wie sieht es auf der anderen Seite aus? Glauben die Klon-Studenten wirklich, sie könnten sich so von der Masse abheben?

Ich sage: Es sind die Brüche im Lebenslauf. Es sind die außergewöhnlichen Erfahrungen, die ein Student gemacht hat, abseits des Mainstream Karrierepfades.  Viel zu riskant? Ich glaube es ist riskant, weiterhin Monokulturen an Studenten zu fördern anstatt Unternehmergeist und Risikofreude!

Wir brauchen Unternehmer – auch im Unternehmen

Fast in jeder Stellenausschreibung wird von den potentiellen Kandidaten „Unternehmergeist“ gefordert – als sei dies ein Seminar, das zwischen Rechnungswesen und Corporate Finance angeboten wird. So funktioniert das aber nicht. Ich behaupte, wer nicht einmal auch nur ansatzweise unternehmerisch tätig geworden ist, hat keine Ahnung, was Unternehmergeist bedeutet.

Unternehmergeist muss gelebt werden. Er wächst mit jedem Fehler, der auf dem Weg zur erfolgreichen Unternehmung gemacht wird. Unternehmergeist ist nicht nur eine Einstellung er ist Erfahrung. Unternehmergeist bedeutet „am Ball bleiben“, „die Zähne zusammenbeißen“ und „Erfolge ausgiebig feiern“ gelebt zu haben. Zusätzlich bedeutet es aber auch, seine eigene Position im Getriebe eines Unterfangens zu verstehen. Zu wissen, welches Rad man als nächstes drehen muss. Es bedeutet, einmal versucht zu haben, einen Hersteller für sein Produkt zu finden, Vertriebskanäle aufzubauen oder einfach ein Event zu organisieren, das am Ende profitabel und erfolgreich sein soll. Es bedeutet ein umfangreiches Wissen über die Zusammenhänge des unternehmerischen Alltags aufzubauen.

Alle diese Dinge lernt man aus keinem Buch und von keinem Professor. Man muss das Spiel einmal von Anfang bis Ende mitgespielt haben. Alles andere ist lediglich das Studium der Spielanleitung – weder aufregend noch sonderlich hilfreich. Ich sage nicht, dass jeder Student neben dem Studium ein funktionierendes Unternehmen aufbauen soll. Es gibt jedoch genug Möglichkeiten, sich in solchen Dingen zu versuchen und unbeschadet davonzukommen.

Die Unternehmen müssen den ersten Schritt machen

Wenn Unternehmen diese Eigenschaften als wichtig erachten, müssen sie den ersten Schritt machen und konsequent die Geister bedienen, die sie selbst gerufen haben. Wenn sie selbstständige und reife Mitarbeiter wollen, müssen sie Brüche im Lebenslauf in Kauf nehmen. Mehr noch! Sie müssen diese fordern und immer wieder kommunizieren: „Macht mal Pause und etwas sinnvolles! Versucht ein Unternehmen zu gründen und wenn ihr Erfolg habt, profitieren wir alle. Wenn nicht, umso besser! Kommt zu uns, denn wir brauchen euch auch!“

Warum denken wir nicht zum Beispiel über ein „unternehmerisches freiwilliges Jahr“ nach? Ein Jahr nach der Universität, in denen sich Studenten ausprobieren, wichtige Erfahrungen sammeln und sich über die Theorie hinaus qualifizieren können? Was haben wir zu verlieren? Nur noch 39 Jahre im Berufsleben anstatt 40? Wie schrecklich!

Zombies

Das Konzept des Durchlauferhitzers wird langfristig scheitern. Unternehmen, die nur geistlose 1-Komma-Zombies einstellen wird in Zukunft das fehlen, was auch Zombies fehlt: Herz und Hirn. Ich bin mir sicher, dass Unternehmen eher an Mitarbeitern interessiert sind, die das Zeug zum CEO haben – und die erkennt man sicherlich als letztes an den Noten.

Es sind unternehmerische Alleinstellungsmerkmale und Erfahrungen, die sie eines Tages zu richtungsweisenden Persönlichkeiten werden lassen. Und wenn ein Kandidat als „prägendste Erfahrung während des Studiums“ die „Teilnahme am inspirierenden Seminar von Prof. Vorzeigedoz“ nennt,stehen die Chancen gut, dass er der falsche für den Job ist.

Studenten! Schluss mit der Hörigkeit!

Sicherlich können die Unternehmen alleine diese Aufgabe nicht bewältigen. Schließlich muss jeder Student selbst entscheiden, welchen Erfahrungen er sich öffnen will und ob diese wertvoll für sein Leben sind. Das große Problem, das ich besonders bei Bachelorstudenten feststelle, ist aber eine zu große Hörigkeit gegenüber Ratschlägen oder Weisungen von ehemaligen Studenten, Recruitern, Dozenten und Kommilitonen. Das ewige Vergleichen und suchen nach „dem einen richtigen Weg“ führt im besten Fall zum Unipsychologen, denn: Er existiert nicht.

Wenn ich eines in den Jahren meines Studiums gelernt habe, dann dass kein Außenstehender verlässliche Ratschläge für die eigene Karriere geben kann. Wie denn auch?  Jeder ist individuell und verfolgt seine eigenen Ziele. Es ist die eigene Verantwortung,  die Kompatibilität der eigenen Fähigkeiten mit den verfolgten Zielen abzugleichen. Selbst im Bewerbungsgespräch versucht der Personaler lediglich so gut wie möglich zu erraten, ob der Kandidat der richtige für den Job ist. Studenten tun gut daran, es ihm ein Stück einfacher zu machen und zu zeigen, dass er mit ihnen die richtige Wahl trifft.

Wenn sie dann in ein Unternehmen einsteigen, wird von ihnen erwartet, dass sie die Dinge selbst in die Hand nehmen.  Sie müssen mit Vorgesetzten zusammenarbeiten und verhandeln, die vielleicht 5 Karrierestufen über der eigenen sind – ohne sich gleich ins Hemd zu machen. Es wird aktives und selbstständiges Handeln gefordert. Und wer erst im Unternehmen anfängt diese Dinge zu üben, befindet sich schneller auf dem Abstellgleis als er es für möglich hält. Und das „Fiese“ dabei: Jeder Personaler, geht davon aus, dass diese Fähigkeiten vorhanden sind. Es wird nicht einmal darüber gesprochen, weil es von so grundlegender Wichtigkeit ist – Paradox aber wahr!

Die Message ist ganz klar: Das ewige Vergleichen und einholen von Meinungen zum eigenen Karrierevorhaben führt zu nichts! Was dem einzelnen am Ende Zufriedenheit verschafft, kann er oder sie nur selbst wissen. Denn nur wer weiß, welche einzigartigen Erfahrungen ihn von seinen Mitbewerbern unterscheiden, kann die eigenen Stärken glaubwürdig präsentieren.

Abgesehen von der „Nützlichkeit“ unternehmerischen Handelns, macht es Spaß! Die Erfahrung zu machen, dass das Studium tatsächliche Relevanz im freien Markt hat, ist überragend! SWOT, BCG Matrix und Business Pläne sind nicht nur eine Art und Weise, Wissen abzufragen – sie machen tatsächlich Sinn! Studenten tun sich selbst einen Gefallen, wenn sie nicht von der Uni gehen, ohne diese Erfahrungen gemacht zu haben. Sie sind unbezahlbar!

Deutschland! Du bist dran!

Aber nicht nur Unternehmen und Studenten sind dafür zuständig, dass wir mehr Unternehmertum in unser Land bekommen. Der Staat selbst muss seinen Teil dazu beitragen. Auch wenn Bloomberg Deutschland auf Platz 5 im Jahre 2012 der besten Orte für Unternehmen geranked hat (hauptsächlich wegen geringer Kosten), gilt dies wohl nicht für Entrepreneure. Deutschland ist noch immer zu risikoscheu und gibt Fehlern zu wenig Raum – um genau zu sein: gar keinen.

Die Dauer des Restschuldbefreiungsverfahrens ist viel zu lang, die Art und Weise, wie die Deutschen selbst mit gescheiterten Unterfangen umgehen, ist inakzeptabel und auch sonst bietet Deutschland im Moment keinen fruchtbaren Nährboden für Optimismus und eine „Just Do It“ Einstellung.

Wir brauchen neue Gesetze und Anreizsysteme, damit das nächste Facbook, Twitter und co. nicht ins Silicon Valley abwandern. Deutschland muss sich attraktiv machen für die Besten der Besten. Im Moment ist unser Land noch weit davon entfernt aber die Hoffnung stirbt zu Letzt: Die Bundesregierung hat erst letztes Jahr eine Neuregelung des Privatinsolvenzverfahrens beschlossen – das verdient Applaus!

Zusammenfassend gesagt: Es gibt viel zu tun! Jeder muss mit anpacken denn nur gemeinsam, können wir Deutschland und Europa zu einem Ort machen, an dem wir alle gerne „Business betreiben“. Dafür brauchen wir die hellsten Köpfe und die größten Talente. Unternehmen und Studenten müssen selbst aktiv werden, damit sie das bekommen, was sie sich wünschen und Deutschland muss seinen Teil dazu beitragen.

Wir brauchen Unternehmer – überall!

12 replies »

  1. Reblogged this on Recruiting Generation Y und kommentierte:
    Heute ein kurzer Hinweis auf den neuen Artikel im „Generation: That’s Y!“ Blog mit einem Plädoyer für mehr Freiheit und Mut in der Generation Y zum Unternehmertum. Mein Lieblingssatz über den Unterschied von Studium und Umsetzung: „Man muss das Spiel einmal von Anfang bis Ende mitgespielt haben. Alles andere ist lediglich das Studium der Spielanleitung – weder aufregend noch sonderlich hilfreich“. Lesenswert!

  2. Reblogged this on hzaborowski und kommentierte:
    Wahre Worte (wahrscheinlich) gar nicht emotionslos ausgesprochen. Beide Seiten müssen sich bewegen. Eigentlich verstehe ich die Sorge der Studenten vor dem Bewerben nicht. Sie haben es gar nicht nötig. Aber solang auch die Unternehmen noch nicht kapiert haben, dass sie es nicht mit Robotern, sondern mit Individuen zu tun haben, „müssen“ (?) Studenten noch das Spiel mitspielen. Oder? Ich hoffe, wir sind bald drei Schritte weiter.

  3. Ein Plädoyer an Studenten und Unternehmen. Beide Seiten müssen sich bewegen und zwar aufeinander zu. Aber solange noch Score-Cards den Bewerbungseingang regeln, wird es schwer, diese Denkweise durchzusetzen.

    Sehr lesenswert! Vielen Dank!

  4. Toller Artikel und wahre Worte. Viel zu häufig wird unter Kommilitonen diskutiert wie der eigene Lebenslauf „gepimpt“ werden kann, um den Unternehmen zu gefallen. Gefallen meint hier dem Schema 0815-Studenten zu entsprechen. Dieser 21-jährige Prototyp sollte seinen Bachelor dann in maximal 6 Semestern absolviert haben, dabei noch 1 Jahr Auslandserfahrung gesammelt haben und über 3 Jahre Berufserfahrung verfügen. Dass dabei keine Zeit für Selbstentfaltung bleibt sollte jedem einleuchten.

    Vielmehr möchte ich auch hier noch einmal alle Studenten dazu motivieren, ihre Scheuklappen ab zu nehmen, nach links und rechts entlang des Weges zu sehen und sich auch einmal den einen oder anderen Umweg erlauben. Vor allem das Engagement in Gruppierungen wie Verbänden oder Vereinen (ich selbst war Vorstand in einer studentischen Unternehmensberatung) prägt oft viel mehr, als das eine Vorlesung kann.

    Los Studenten – traut euch !!!

  5. Hier kommen mehrere Dinge zusammen, die fataler Weise zu dieser Konstellation geführt haben: zum einen werden Schüler wie auch Studenten heute mehr denn je dazu getrimmt konform zu gehen. Jegliche Freiheit wird weggeschnürt. Bologna hat das nicht besser gemacht. Im Gegenteil. Gleichzeitig ist die Angst vor Arbeitslosigkeit und dergleichen extrem gestiegen. Überall wird einem eingehämmert, dass man seine „Employablility“ verbessern muss! Der Konkurrenzdruck ist ungleich höher als er es vor einigen Jahren noch war.
    Das ganze ist aber nicht nur eine Frage des wollens sondern auch des könnens. Ich stelle mal in den Raum, dass es sich heute einige Leute schlicht nicht mehr leisten können im Studium einfach mal ein paar Semester zu „verleben“… ist man über die Regelstudienzeit raus, gibts Probleme mit dem Bafög,… und die Knete zu haben einfach nur so durch zu kommen ist halt auch nicht bei allen da…

    Wenn ich mir diese ganze Diskussion so anhöre ist es zumindest für mich mittlerweile so, dass ich auf einen perfekten Lebenslauf (den ich auch mal hatte) mittlerweile pfeife. Ich bin wieder am studieren – ein Fach, von dem ich sehr viel erwarte und mit dem ich sehr viele Möglichkeiten habe, die ich mit meinem ersten Abschluss nicht hatte – ich weiß, dass es nicht leicht wird und dass ich ggf. einen Studienkredit abstottern muss, wenn ich fertig bin. Aber wer weiß schon was morgen überhaupt ist?! Also machen wir einfach, was uns als richtig erscheint! Und wenn mir ein Arbeitgeber aufgrund meines Lebenslaufs nichtmal die Chance einräumt mich persönlich bei ihm vorzustellen, dann tut es mir leid – dann hat er mich auch nicht verdient!

    Falls ihr euch dafür interessiert, was ich mittlerweile mache, was mich dazu bewegt hat nochmal an die Uni zurück zu kehren kann ich euch nur meinen Blog http://sustentaculumvitae.wordpress.com/ empfehlen!

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