Coaching

Y Networking – Warum ich nicht an „Networking“ glaube und worin der Unterschied zwischen Spiderman und Spiderpig besteht

Nachdem ich nun wiederholt gebeten wurde “doch mal was zu Networking” zu schreiben, freue ich mich hiermit meinen ersten Beitrag unter der Rubrik „Coaching“ zu posten. Das Thema ist besonders mit der Generation Y verbunden, gilt sie doch als Spiderman schlecht hin –wenn es um Netze geht. Es folgt also, was für mich „erfolgreiche Netzwerker“ von „schmierigen Opportunisten“ unterscheidet. Hier liegt der Unterschied zwischen SpiderMAN und SpiderPIG:

Spiderman und Spiderpig

spidermanmovieposterQuelleNerdreactor

Spiderman

Für mich teilt sich die Welt des „professionellen Netzwerkens“ in genau diese zwei Gruppen: Spidermen, die wissen was sie tun, und Spiderpigs, die zwar Gott und die Welt zu kennen scheinen, dies aber weder für sich noch für andere in ihrem Netzwerk nutzen können.  Was machen die einen richtig, während die anderen versagen? Für mich liegt der Unterschied vor allem in der Intention. Während Spiderpig lediglich an „Kontakten“ interessiert ist, die es mit Informationen füttern und „hoffentlich einmal nützlich werden“, ist Spiderman an echten Menschen interessiert. Für ihn geht es nicht um den Titel auf der edlen Visitenkarte mit Wasserzeichen. Entscheidend ist, ob er sich mit seinem Gegenüber gerne austauschen und mit ihm Zeit verbringen möchte.

Sei interessiert, versuche nicht interessant zu sein

Schon Dale Carnegie beschreibt in seinem Beststeller von 1936 „How to Win Friends and Influence People“, dass ein aufrichtiges Interesse am Gegenüber Grundvoraussetzung für den Aufbau einer stabilen Beziehung ist. Dabei macht es keinen Unterschied, ob  sie privater oder professioneller Natur sein soll. Tatsächlich glaube ich, dass langfristige und verlässliche Kontakte nie „rein professionell“ sein können. Schließlich ist es doch das damit verbundene Vertrauen und die Sympathie für einander, die gegenseitige Unterstützung motivieren. Dieses Vertrauen schafft man nicht beim Small-Talk im Konferenzraum, sondern beim Single Malt in der Freizeit.

Nun mag der ein oder andere vielleicht protestieren und einwenden: „Wenn ich für all meine Kontakte so viel Zeit investieren würde, hätte ich nicht mal halb so viele!“ Ich bitte einmal darüber nachzudenken, wie viele dieser großen Anzahl von „Kontakten“ tatsächlich ihre Hand für ihn oder sie ins Feuer legen würden. Wie viele würden ihn oder sie empfehlen, wenn es um die Besetzung einer freien Position im eigenen Unternehmen ginge. Meine Vorhersage: Nicht viele.

Ein dichtes Netzwerk benötigt Pflege, um am Leben erhalten zu werden. Es ist ein lebendiger Organismus, der sich stetig verändert, wächst und teilweise auch schrumpfen kann. Um dies zu bewerkstelligen, kann man Kontakte nicht einfach nur sammeln und aussaugen. Die Menschen im eigenen Netzwerk müssen ebenso von Spiderman profitieren, wie er von ihnen. Während Spiderpig seine Kontakte also um einen Gefallen nach dem anderen bittet, erkennt Spiderman, wie er den Menschen in seinem Netzwerk weiterhelfen kann. Dies tut er ohne, dass sie ihn darum bitten müssen. Hierfür stellt er zum Beispiel Menschen einander vor, wenn er davon überzeugt ist, es sei wertvoll, dass sie einander kannten. So kreiert er selbst neue Knotenpunkte und investiert viel Zeit in den Erhalt dieser Verbindungen.

Ein deutsches Problem?

spider-pigquellefoolhandy

Spiderpig

Die Deutschen sind traditionell besonders schwerfällig im Limbus der professionell-privaten Beziehungen. Das Konzept des Networkings wird in den angelsächsischen Ländern bereits lange als essentiell angesehen. Hierzulande scheint das Bewusstsein um seine effizienz- sowie effektivitätssteigernde Wirkung erst seit dem neuen Jahrtausend zu existieren. Ist es Zufall, dass sowohl Spiderman als auch Spiderpig Amerikaner sind?

Jedenfalls wird Networking in Deutschland nicht immer als rein positiv angesehen. Nicht selten hat es ein „Gschmäckle“, wenn jemand durch einen guten Freund für eine Position vorgeschlagen wird, die anderen verwehrt bleibt. Das liegt oft an der Verwechslung mit dem in Deutschland wiederum durchaus beliebten Konzept der „Kumpanei“ bzw. der „Vetternwirtschaft“.

Die Vorteile der Generation Y

Bei der Generation Y zeichnet sich ein mehr oder weniger tiefgreifender Mentalitätswandel ab. Sie sind es gewöhnt schneller mit fremden Menschen Kontakt aufzubauen und suchen, unterstützt durch moderne Technik, intuitiv zuerst nach Lösungen innerhalb des eigenen Netzwerks. Dies gilt für Wohnungsgesuche, Erfahrungsaustausch oder gar für digitale Flohmärkte. Sie gehen durch ihren zunehmend internationalen Hintergrund leichter und unkomplizierter mit Menschen um, die sie in einem professionellen Kontext kennengelernt haben – manchmal sogar über mehrere Hierarchiestufen hinweg.

Networking made in USA?

Vor allem aber, macht diese aufgeschlossene und zum Austausch bereite Natur erfolgreiche Mentor-Mentee-Konstellationen erst möglich. Sie tragen ebenso wie informelles „Intercorporate Networking“ entscheidend zur Verbesserung des Wissens-Managements bei – denn sind wir doch mal ehrlich: Wer liest schon „Unternehmenswikis“? Ein über die Abteilungsgrenzen hinweg gestaltetes Netzwerk kann für ein Unternehmen zu einem essentiellen Wettbewerbsvorteil werden. Dieser Austausch erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass  Prozess- oder Produktinnovationen innerhalb des eigenen Unternehmens entwickelt werden. So können Ressourcen gespart und die Gefahr von technologischen Spillovern reduziert werden.

Ein Hoch auf die Gefährten

Welche Art von Verbindungen knüpft Spiderman hier also? Er investiert Zeit, lernt die Menschen besser kennen und sieht sie dann vielleicht höchstens einmal jährlich auf einem Kongress oder der Jahreshauptversammlung wieder. Sind diese Kontakte bereits Freunde? Die deutsche Sprache sowie ihre Sprecher, haben Schwierigkeiten mit der Einordnung dieser „näheren Bekannten“. Das Wort Freund möchten wir nur sehr restriktiv verwenden – im Gegensatz zu den Angelsachsen, die hunderte „Friends“  zu haben scheinen.

Ich möchte hier gerne teilen, wie ich persönlich diese Verbindungen einordne. Dies sind Menschen, zu denen ich eine besondere Beziehung habe und die ich dennoch vielleicht nur sehr selten sehe. Nichts desto trotz weiß ich von ihnen, dass sie unglaublich wertvolle Bestandteile meines Netzwerkes und damit auch meines Lebens sind. Diese Menschen sind für mich „Gefährten“, die mit uns ein Stück des Weges gehen. Die einen begleiten uns über viele Jahre, die anderen nur über kurze Strecken hinweg und wieder andere weisen uns vielleicht nur ein einziges Mal (doch im richtigen Moment) den Weg.

Das Bewusstsein darüber, dass Gefährten auch im professionellen Kontext unerlässlich sind, macht für mich den Unterschied zwischen Spiderman und Spiderpig aus. Wenn Spiderman fällt, wird er von einem dichten Netz aufgefangen. Hierin hat er investiert und dieses kann ihm im entscheidenden Moment vielleicht sogar das (berufliche) Leben retten. Spiderpig hingegen fällt ungebremst in den Abgrund. Nach dem Aufschlag eignet es sich vielleicht allerhöchstens noch zum Barbecue.

Ich glaube nicht an „Networking“

Abschließend muss ich daher tatsächlich sagen, dass ich nicht an „Networking“ glaube – beziehungsweise nicht an das, was darunter konventioneller Weise in Deutschland verstanden wird. Für mich geht es im privaten sowie professionellen Leben nicht darum, möglichst viele Kontakte zu knüpfen und zu hoffen, dass sich einer von ihnen eines Tages zum CEO hocharbeitet.

Für mich geht es darum Freunde zu gewinnen und Gefährten um sich zu sammeln. Sie machen den Alltag erst interessant und sind die Menschen, auf die wir im entscheidenden Moment setzen können. Sicherlich würde ich einen Gefährten nicht nach einer Niere fragen, wohl aber nach einem Schlafplatz, wenn ich spontan in der Stadt sein sollte. Ebenso wissen meine Gefährten, dass sie stets dasselbe von mir erwarten können.

Am Ende sind es nämlich nicht Kontakte, sondern Gefährten, die für eine Empfehlung ihren Ruf aufs Spiel setzen würden. Sie begleiten uns auf den Wegen zu unseren Zielen und sind manchmal entscheiden für Sieg oder Niederlage. Sie sind verlässlich und in sie lohnt es sich zu investieren. Eins ist sicher: Ohne die Gefährten wäre auch Mittelerde verloren gewesen.

Was denkt ihr darüber? Gedanken oder Kritik, die ihr teilen wollt? Ich freue mich auf eure Kommentare!  

4 replies »

  1. Wirklich sehr schöner Artikel. Erinnert mich in seinen Grundzügen an das Buch von Keith Ferrazzi : Geh nie alleine Essen. Ich denke das A&O ist das Geben und nicht nur das Nehmen. Das heisst jeder Kontakt bedeutet eine neue Beziehung die aufgebaut, gepflegt und gehegt werden muss. Das wird wohl in Deutschland noch ein wenig dauern…

  2. Ich bin schon der Ansicht, dass man sich in der Geschäfts- und auch Netzwelt einen Namen machen sollte, wenn man die Karriereleiter hochklettern möchte. Strebt man eine steile Karriere an, sollte man die Fähigkeit besitzen, mit unterschiedlichsten Menschen schnell in Kontakt zu kommen und generell eine professionelle und sympathische Ausstrahlung aufweisen. Außerdem sollte man über ein breites Interessensfeld verfügen, somit hat man auch viele unterschiedliche Gesprächsthemen.
    Ich will damit sagen, dass es wichtig ist generell als offener und interessierter Mensch rüber zu kommen, dann schließt man automatisch neue Bekanntschaften und macht sich einen Namen.
    Freunde sind diese Bekanntschaften aber meiner Meinung nach keine, denn wirkliche Freunde kann der Mensch nur wenige haben und diese Kontakte müssen dann auch intensiv gepflegt werden um nicht zu zerbrechen. Hier sollte man dann wirklich auch genau auswählen und auch die nötige Zeit investieren, denn gute Freunde sind sowohl im privaten wie auch ihm beruflichen Bereich eine extrem wichtige Ressource!

    • Hallo Julia,
      Danke für deinen Kommentar! Ich stimme dem vollkommen zu. Die Quintessenz, die ich mit meinem Artikel versucht habe rüber zu bringen, ist letztlich zwischen „oberflächlichem“ Networking und wertvollen Kontakten zu unterscheiden. Was du beschreibst, gehört auf jeden Fall zum professionellen und höflichen Auftreten dazu – nur so kann man sich einen guten Ruf erarbeiten oder wie du sagst: „Sich selbst einen Namen machen“.

      Es gibt da aber noch eine andere Stufe und zwar Kontakte, die – kommt es zu einer wichtigen Entscheidung im Betrieb oder sogar in einer externen Firma – bereit sind mit ihrem Namen für dich einzustehen und dich zu platzieren. Hierfür reicht bloßes „Kennen“ und „sympathisch Finden“ nicht aus. Um einen solchen Schritt zu wagen, muss der jeweilige Kontakt persönlich von deinen Fähigkeiten überzeugt sein, denn er „haftet“ letztlich mit seinem eigenen Ruf und steht mit Konsequenzen für seine eigene Karriere ein – sowohl wenn die Sache gut als auch wenn sie schlecht ausgeht.

      Und wie du ja bereits geschrieben hast: Wahre Freunde kann nichts ersetzen!

      Beste Grüße,

      Thorsten

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