Erfahrungsbericht

Am Geburtstag meiner Freundin saß ich im Zug – ein Erfahrungsbericht

Überflieger und Erfolgsstories sind die Lieblinge der Öffentlichkeit  – das trifft auf so gut wie jedes Themenfeld zu. Auch  rund um „Beruf und Karriere“ ist dies nicht anders: „Wir sind alle erfolgreich“ ist die frohe Botschaft quer durch das gesamte Spektrum an Publikationen. Und falls jemand noch nicht erfolgreich ist, gibt es unzählige Ratgeber, die beschreiben wie auch er oder sie bald zu den Auserwählten gehören kann. Das Theater beginnt schon auf der Business School, wenn jedes Jahr alle 450 Bachelorstudenten auf ihre zukünftige Position als CEO vorbereitet werden. Vom Scheitern oder gar dem regulären Sachbearbeiter-Job möchte hier niemand etwas wissen.

Ausschließlich zukünftige CEOs

Dabei entspricht dies nicht der Realität und auch in der so gehypten Generation Y gibt es viele, die hart kämpfen müssen, um überhaupt einen Job zu finden. Ich finde es aber wichtig, auch diese Seite unseres Jobmarktes zu zeigen, weswegen ich mich dazu bereit erklärt habe, hier die Geschichte von Matthias Müller (Name geändert) zu teilen. Vor einigen Wochen hat mich eine Bekannte von Enactus angeschrieben und mir von ihrem guten Freund Matthias erzählt. Er ist gut ausgebildet, jung, dynamisch, flexibel und arbeitslos. Die Erfahrungen seines Bewerbungsmarathons hat er in einem Bericht zusammengefasst und mich gebeten auf diese aufmerksam zu machen.

Im Folgenden also Matthias‘ Geschichte zwischen großen Versprechungen und leeren Phrasen auf dem Bewerbermarkt – unbearbeitet und ungeschönt:

 

Auszug aus einem Bewerbungsmarathon – Ein Erfahrungsbericht von Matthias Müller

Ich bin Diplom-Kaufmann. Ich habe eine anerkannte Weiterbildung zum Einkaufsexperten gemacht, die mich viel Geld gekostet hat. Ich habe in Deutschland und Asien studiert. Ich habe Praktika in verschiedenen Unternehmen in der Bereichen Finanzen und Einkauf gemacht. Mittlerweile habe ich drei Jahre Berufserfahrung. Ich bin jung, verantwortungsvoll, teamorientiert, engagiert, flexibel und hochmotiviert.  All das, was ein moderner Mitarbeiter mitbringen sollte. Und trotzdem habe ich Schwierigkeiten, eine Stelle zu finden. Meine Erfahrungen mit den Bewerbungsprozessen der deutschen Unternehmen sind alles andere als positiv. Man hat nicht den Eindruck, dass man als junger Bewerber wirklich gefragt ist.

Mit meinem Bericht möchte ich daher auf die Probleme der Unternehmen aufmerksam machen. Manches wirkt unglaublich, aber es ist wahr. Die geschilderten Erlebnisse sind nur eine Auswahl. Natürlich habe ich noch viele Gespräche mehr geführt.

Aber fangen wir vorne an.

Im September 2008 habe ich meinen Abschluss zum Diplom-Kaufmann an einer großen Universität in Nordrhein-Westfalen gemacht. Pünktlich zum Niedergang von Lehman Brothers und dem Beginn der „Finanzkrise“. Kein Unternehmen hat damals eingestellt. Das Angebot an Arbeitskräften auf dem Markt war viel höher als die Nachfrage der Unternehmen. Für mich als motivierten Absolvierten war das die  harte Landung auf dem Boden der Tatsachen.

Aber ich hatte Glück und fand nach einigen Monaten meine erste Stelle bei einem Konzern aus der Telekommunikationsbranche. Mein Arbeitsvertrag war zunächst auf ein Jahr befristet. Beim Vorstellungsgespräch versicherte man mir noch, dass ich mir keine Sorgen machen solle und man mir  sicher nach einem Jahr eine weitere Tätigkeit im Unternehmen anbieten könne. Doch schon nach wenigen Wochen wurde mir klar, dass das nicht der Fall sein würde. Ich erfuhr von den Kollegen, dass es dem Unternehmen finanziell nicht gut ging. Nach sechs Monaten erklärte mir dann der Abteilungsleiter, dass leider nach Ablauf meines Vertrags kein Platz für mich sei.  Und wieder war ich auf der Suche.

Ich war enttäuscht, traurig und wütend und fühlte mich wie ein Verlierer. Nach zwei Monaten machte ich wieder mehr Sport und fühlte mich langsam besser. Nach drei Monaten Arbeitslosigkeit fand ich dann eine neue Stelle bei einem großen internationalen Telekommunikationsausrüster.

Die Arbeit war zunächst sehr spannend. Die Unternehmenssprache war englisch, und das Management hatte ganz andere Vorstellungen als ich das von deutschen Chefs bisher kennengelernt hatte. Ich bekam wieder einen Einjahresvertrag, der später verlängert werden sollte. Nach einem Jahr wurde der Vertrag auch wirklich verlängert, allerdings wieder nur um ein Jahr. Auf diese Weise versuchte das Unternehmen, flexibel auf den schwankenden Personalbedarf zu reagieren. Solange mein Vertrag verlängert wurde, war das für mich in Ordnung.

Durch die Arbeit in diesem Unternehmen habe ich viel gelernt und mich fachlich und persönlich weiterentwickelt. Ich war also guter Dinge, als  eine weitere Vertragsverlängerung anstand. Mein Chef sagte mir, ich solle mir keine Sorgen machen. Danach habe ich nichts mehr gehört. Fünf Wochen vor Ablauf des Vertrags sagte mir die Personalabteilung dann, dass es dem Unternehmen finanziell nicht gut gehe und mein Vertrag deshalb nicht verlängert werde. Wieder auf der Suche.

Diesmal aber war es anders.

Ich hatte Arbeitserfahrung und eine Weiterbildung zum Einkaufsexperten.  Ich dachte also, dass ich mir keine Sorgen machen müsste. Am Anfang sah es auch gut aus. Viele Personalberatungen kontaktierten mich über soziale Netzwerke. Ich hatte einige Gespräche, aber die Unternehmen waren der Meinung, dass ich lediglich Erfahrung in der Telekommunikationsbranche habe und daher nicht geeignet sei, um in anderen Branchen als Einkäufer zu arbeiten. Ich verstand die Argumentation nicht ganz. Letztlich macht es doch keinen Unterschied, ob ich in einem Maschinenbauunternehmen oder in einem Telekommunikationsunternehmen als Einkäufer tätig bin. Die Methoden sind immer die gleichen. Einarbeiten muss man sich ohnehin immer bei einem neuen Unternehmen. Aber die Abteilungsleiter sahen das anders.

Nachdem ich also über die Personalberatungen keinen Erfolg hatte, bewarb ich mich auf eigene Faust quer durch Deutschland. Ich bin jung, hochqualifiziert und suche einfach nur eine normale Stelle in einem normalen Unternehmen. Einfach, sollte man meinen.

Aber die Realität sieht anders aus.

Es begann mit einem Gespräch bei einem mittelständischen Unternehmen der Automobilbranche aus dem Bergischen Land. Die Stellenausschreibung passte genau zu meinem Profil, bis auf eine Kleinigkeit: Gewünscht waren verhandlungssichere Chinesisch-Kenntnisse. Ich hatte nur Grundkenntnisse, aber ich bewarb mich trotzdem. Allzu viele Bewerber mit Erfahrungen im IT Einkauf und verhandlungssicherem Mandarin konnte es ja nicht geben. Ich wurde auch eingeladen. Ich war sehr aufgeregt, weil die Stelle international und interessant war. Nach zehn Minuten Gespräch war jedoch klar, dass ich von Anfang an keine Chance hatte. Mein Profil passte perfekt, bis auf den Punkt mit den Chinesisch-Kenntnissen. Der Abteilungsleiter wurde immer nervöser und würgte meine Beteuerungen ab, meine Chinesisch- Kenntnisse gerne weiter auszubauen, indem er sagte: „Sie bringen alles mit. Aber Sie können kein Chinesisch. Und wir brauchen jemanden, der JETZT verhandlungssicher Chinesisch spricht. Nicht erst in einem Jahr.“ Natürlich wussten sie das vorher. Warum hatten sie mich dann überhaupt eingeladen? Das Gespräch dauerte insgesamt nur zwanzig Minuten. Danach wusste ich, dass es sehr wahrscheinlich einen internen Kandidaten gab und dass man die Stelle nur aus gesetzlichen Gründen ausgeschrieben hatte. Was für eine Zeitverschwendung. Enttäuscht fuhr ich wieder nach Hause.

Ein anderes Gespräch bei einem mittelständischen Touristikunternehmen in Köln verlief folgendermaßen:  Nach der üblichen Vorstellung meines Profils fragte mich der Fachabteilungsleiter, wo ich mich denn in fünf Jahren sehe. Er sagte: „Wir sind ein Unternehmen mit schlanken Hierarchien. Über mir gibt es nur noch den  Hauptabteilungsleiter und dann schon die Geschäftsführung.“  Was antwortet man auf so eine Frage? Hatte der Mann vielleicht Angst um seinen Job? Ich sagte irgendetwas von fachlich weiterentwickeln und langfristige Perspektiven suchen. Nach dem Gespräch sagte man mir, dass man sich innerhalb von zwei Wochen bei mir melden würde.

Nach einem Monat hatte ich noch immer nichts gehört.

Also fragte ich die Personalerin per E-Mail, wann ich denn mit einer Antwort rechnen könne. Weitere zwei Wochen später erhielt ich dann einen Anruf von der Personalerin. Sie teilte mir mit, dass der Fachabteilungsleiter der Meinung sei, ich habe im Bereich Verhandlungsführung nicht genügend Erfahrung und sei deshalb nicht geeignet für die Position.  Diese Begründung war interessant, weil in dem Vorstellungsgespräch gar nicht von Verhandlungsführung die Rede gewesen war. Woher wusste der Fachabteilungsleiter, wie gut ich in diesem Bereich war? Anscheinend hatte der Mann wirklich Angst vor mir. Schließlich hatte er nur einen Bachelor-Abschluss, während ich ein Diplom und eine anerkannte Weiterbildung im Bereich Einkauf vorweisen kann.

Es folgten unzählige Bewerbungen und viele weitere Gespräche. Manchmal wurden im Vorstellungsgespräch ganz andere Stellen besprochen als die, auf die ich mich beworben hatte. Ein Unternehmen lehnte mich für dieselbe Stelle zwei Mal ab und lud mich dann doch ein zum Gespräch, um mich wieder abzulehnen. Ein Konzern aus dem Bereich Anlagenbau aus Franken sagte mir, dass ich ein „Job Hopper“ sei, da ich schon zwei Mal in drei Jahren den Job gewechselt hatte. Aber das ist ganz normal heutzutage. Es stoßen wirklich Welten aufeinander, wenn man als junger Akademiker mit Mitarbeitern von deutschen Unternehmen spricht, die schon seit dreißig oder mehr Jahren beim selben Unternehmen und in derselben Abteilung arbeiten. Natürlich verstehen diese Mitarbeiter nicht, wenn wir in den unsicheren Zeiten heute immer wieder das Unternehmen wechseln müssen.

Irgendwann reichte es mir und ich beschloss, etwas Neues zu versuchen. Ich bewarb mich bei einem Dienstleistungsunternehmen, dass für einen großen deutschen Automobilhersteller Projektmanagement macht, auf eine Stelle in China. Tatsächlich wurde ich wenige Tage später zu einem Telefoninterview mit der Personalmanagerin des Unternehmens eingeladen. Das Gespräch lief gut und die Dame sagte mir, dass sie schon wüsste, auf welche Projekte ich passen könnte. Wenige Tage später bekam ich dann einen Termin für ein weiteres Telefoninterview mit dem Geschäftsführer in China. Drei Mal wurde der Termin verschoben und ich zweifelte schon daran, ob das Unternehmen überhaupt noch Interesse hatte. Nach dem Gespräch vergingen dann wieder drei Wochen, bis der Geschäftsführer sich per E-Mail meldete und mir ein Angebot machte.

Endlich, ich hatte ein Angebot, eine Zusage!

Ich war schon dabei, meine Impfungen aufzufrischen und mich auf China einzustimmen. Ich verhandelte noch ein bisschen über die Konditionen und einigte mich dann recht schnell mit dem Geschäftsführer. Nur der Starttermin war noch nicht geklärt. Eine Woche später meldete sich der Geschäftsführer dann wieder bei mir und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, zuerst ein Projekt in Deutschland zu unterstützen. Mein Profil würde genau passen und ich könnte ja auf diesem Wege schon mal die Prozesse kennen lernen. Da ich ja motiviert und flexibel bin, sagte ich zu. Am Geburtstag meiner Freundin saß ich dann im Zug, um den Hauptkunden des Unternehmens in Deutschland kennen zu lernen. Ich hatte bereits vertrauliche Informationen zu den Projekten per E-Mail erhalten. Sicher würde ich vor Ort den Arbeitsvertrag zur Unterschrift erhalten, dachte ich. Aber nichts dergleichen passierte. Der Kundentermin verlief normal. Am Ende musste ich für dreißig Minuten den Raum verlassen, während die Kollegen mit dem Kunden sprachen. Als sie dann zurückkamen, erklärten sie mir, dass ich „zu glatt“ rübergekommen wäre. Was sie damit meinten, erklärten sie nicht.

Danach hatte das Unternehmen drei Wochen Sommerpause (Betriebsferien). Jetzt warte ich seit inzwischen zwei Monaten auf eine Rückmeldung. Ich habe ein Angebot, aber noch immer keine Arbeitsvertrag. Auf wiederholte Nachfragen an den Geschäftsführer in China erhielt ich keine Antwort. Für mich sieht es so aus, als ob der Geschäftsführer in China eigenmächtig das Angebot gemacht hätte, ohne die Zentrale in Deutschland zu fragen. Die Kollegen in Deutschland waren darüber wahrscheinlich nicht erfreut und stellen sich jetzt quer. Aber das ist nur eine Vermutung. Ich habe bis jetzt keine Information bekommen, was los ist.  Aber es muss weitergehen – ich kann nicht ewig warten. Ich bin jung, gut ausgebildet, motiviert, flexibel – und immer noch ohne Arbeit.

Natürlich sind Bewerbungsprozesse nach außen hin intransparent und die Auswahl der Bewerber subjektiv. Aber kann es sein, dass man drei Monate oder länger auf eine Antwort warten muss? Oder einfach in vielen Fällen gar keine Antwort erhält? Wie kann es sein, dass die Unternehmen so langsam und unflexibel sind, wenn sie dringend ihre Stellen besetzen wollen? Oft treffen Welten aufeinander, wenn ein Mittvierziger mit 25 oder mehr Jahren Berufserfahrung in einem Unternehmen auf die Generation Y trifft. Wir sind gut ausgebildet, haben internationale Erfahrungen und sind flexibel. Schon die Tatsache, dass man Zeit im Ausland verbracht wird, wird manchmal negativ gesehen, da die Unternehmen Angst haben, uns nicht lange halten zu können. Aber was heißt lange? Man arbeitet heute nicht mehr zwanzig oder mehr Jahre im selben Unternehmen. Diese Zeiten sind vorbei.

Ich frage mich, ob ich etwas falsch gemacht habe.

Aber ich weiß, dass ich nicht der Einzige mit solchen Problemen bin. Viele junge Leute sind in  einer ähnlichen Situation. Ein Hochschulstudium ist längst keine Garantie mehr für einen sicheren Arbeitsplatz. Es gibt keine Garantien mehr.

Mit diesem Text möchte ich aufmerksam machen auf die Situation der jungen Bewerber. Motiviert, gut ausgebildet und trotzdem schwer unterzubringen. Viele Unternehmen sind leider nicht in der Lage, ihre Bewerbungsprozesse richtig zu managen. Hier besteht noch viel Optimierungsbedarf. Vielleicht sollte ich mich mal als Berater bewerben, um die Bewerbungsprozesse zu verbessern…“

6 replies »

  1. Hallo Thorsten, danke für die Veröffentlichung.

    Der Artikel schildert die häufige Realtität. Einen Job zu finden ist in der Tat trotz War for Talents nicht mehr sooo einfach. Ja, es liegt auch an den Prozessen. Ok. Aber vor allem liegt es an den beteiligten Menschen. Wenn ein langjähriger Mitarbieter einen Bewerber mit diesen Wechseln als Jobhopper bezeichnet, ist das ein menschliches Problem. Da ist jemand nicht in der Realität zu Hause. Und wenn fadenscheinige Absagegründe genannt werden, ist das ein menschliches Problem. Da hat jemand nciht den Mumm zu sagen: Sie sind mir zu gut! Wie steht derjenige denn dann vor seinen Kollegen da? Und nicht verlängere Verträge haben was mit der Unsicherheit zu tun, in der die Unternehmen alle leben. Keiner weiß mehr 100%, wie es weitergeht. Der Renditedruck bleibt aber. Und im Zweifel wird dann halt so weitergemacht wie bisher. Ist auch eine Entscheidung, aber keine, für die ich nachher zur Rechenschaft gezogen werde. „Wieso haben sie den Mann eingestellt, sie wussten doch, wie unsicher die Auftragslage ist“. Das wird man nicht zu hören kriegen.

    Das Problem ist: Die meisten Arbeitnehmer ziehen sich den Schuh an und denken, sie machen etwas falsch. Das ist aber in den seltesten Fällen so! Es ist einfach ein Fehler im System. Ich habe das in einem Artikel von mir mal ansatzweise auf Papier gebracht http://hzaborowski.wordpress.com/2013/07/31/die-arbeitswelt-ein-zirkus-welche-rolle-spielen-sie/

    Ich hoffe, das viele Deinen Artikel lesen (werde ich gleich mal teilen :-)). Denn dieser ganze Medienhype um den angeblichen War for Talents stimmt so nicht. Das muss auch mal gesagt werden.

    Herzlichen Gruß,
    Henrik

    • Lieber Henrik,

      danke für den Re-Post und den Kommentar!
      Ich könnte dir nich mehr zustimmen und auch deinen Artikel fand ich sehr interessant!
      Es gibt hier sicherlich noch einiges zu tun aber ganze Systeme lassen sich leider nicht von heute auf morgen verändern – da braucht es Motivation und die Einsicht, dass etwas falsch läuft.
      Aber wir machen weiter!🙂
      Beste Grüße,

      Thorsten

  2. Hat dies auf hzaborowski rebloggt und kommentierte:
    GenY kriegt problemlos nen Job? Nee, nee, so sieht die Welt dann doch nicht aus! Ein wichtiger Erfahrungsbericht und ein Spiegel unserer Wirtschaftskultur und unseres Menschenbildes. Alles muss sofort perfekt passen. Keiner hat mehr Zeit für die Ausbildung. Aber zu gut darf man auch nicht sein, dann wird es gefährlich. Heißer Lesetipp!

  3. Lieber Thorsten,

    vorab: Nein, das Problem liegt nicht bei dir! Ich habe exakt die selben Erfahrungen gemacht und kann dir nur raten, sch… auf die Personen, die sich Personaler nennen. Ein Beispiel: Ich selber bin im Verkauf tätig, wobei ich bereits in jungen Jahren leitende Tätigkeiten ausüben durfte. Ebenfalls gut ausgebildet und einige schräge Arbeitgebererfahrungen später, habe ich mich auf die Suche nach einem neuen Job gemacht. Hätte ich geahnt, wieviele Chaoten ich in den Rekrutierungsprozessen kennen lerne, dann wäre ich gleich in Rente gegangen. In jeder Stellenbeschreibung, welche auf mein Profil gepasst hat, waren ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten verlangt. Nun gut, dachte ich, passt ja. Was aber, wenn man nicht einmal eine Eingangsbestätigung seiner Bewerbung erhält? Was, wenn man auch keine Absage erhält? Und was ist, wenn man in Vorstellungsgesprächen das Gefühl hat, man müßte gleich einen Kopftischaufschlag ausüben, weil der Gesprächspartner die Dynamik eines Haferkekses hat? Wer beurteilt dann meine Kommunikationsfähigkeiten? Und es kommt noch dicker. Sehr oft mußte ich mir anhören, dass ich für bestimmte Bereiche ungeeignet sei, da ich nicht über die entsprechenden Fachkenntnisse verfüge. Wozu habe ich nochmal studiert? Beweist man nicht gerade mit einem Studium, dass man sich in kürzester Zeit verschiedene Themen in den Kopf prügeln kann? Und was ist dann mit der super Eigenschaft der Menschen, nämlich lernfähig zu sein?

    Traurig wird es dann, wenn das suchende Unternehmen, welches mich zuvor wegen mangelnder Kenntnisse abgelehnt hat, nach 6, 9, 12 Monaten diese Stelle immer noch ausgeschrieben hat. Hätte nicht ein halbwegs kluger Mensch diese Zeit zu nutzen gewußt, um sich die Kenntnisse anzueignen?

    Mein Fazit: Kopf hoch! Laß dich nicht verändern und zeige, dass diese Verhaltens- und Denkweisen falsch sind. Seitdem für mich klar ist, dass nicht ich das Problem bin, schlafe ich wieder besser und gesünder. Kämpfen wir gemeinsam für mehr Weitblick und Indivisualismus!

    • Lieber Stefan,

      danke für deinen Kommentar und das Teilen deiner Perspektive.
      Auch wenn der Erfahrungsbericht nicht von mir stammt, finde ich es wichtig, sich darüber auszutauschen und denen, die sich noch im „Marathon“ befinden Mut zu geben!

      Beste Grüße,

      Thorsten

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