Interview

Der Silikonanteil steigt – Deutschlands Startups stellen ein!

Immer mehr Vertreter der Generation Y träumen den Traum vom Startup. Egal ob selbst gründen oder möglichst früh beim nächsten Facebook einsteigen – der Lebensstil verspricht Erfolg mit Spaßfaktor. Und das alles weit weg vom bürokratischen Mief der Unternehmen des 20sten Jahrhunderts. Dass dieser Traum immer größere Chancen auf Erfüllung hat, zeigt eine aktuelle Studie der Job-Suchmaschine Adzuna: Im November 2013 gibt es in Deutschland über 1.000 offene Stellen – ausgeschrieben von Startups in Bayern, NRW und vor allem: Berlin. Höchste Zeit für Top-Talente ordentlich abzukassieren, denn es herrscht immer noch der War for Talents!

Jobs! Jobs! Jobs!

LOOK AT ALL THE JOBS

Look at all the Jobs!

Während sich meine Amerikanischen Freunde hier „einfach nur nen Job … irgendeinen Job“ wünschen, scheint in der Republik mit Stellen nur so um sich geschmissen zu werden! Gut, das ist jetzt vielleicht ein wenig übertrieben, es gibt aber dennoch Grund zur guten Laune – gerade für Startup-Fans: Laut Adzuna gibt es aktuell 1.117 offene Stellen bei deutschen Startups, was einen Anstieg von fast 40% im letzten halben Jahr bedeutet.

Damit baut Deutschland seine Startup-Szene weiter aus und bestätigt seine Rolle im internationalen Umfeld. Denn viele Startups werden hierzulande nicht nur von Deutschen Investoren gefördert sondern zunehmend auch von Investoren aus dem Ausland. Gerade für Vertreter der Generation Y ist dies ein gutes Zeichen. Immer mehr Bachelor-Absolventen äußern den Wunsch ihr Gap-Year bei einem Startup zu verbringen. Die Hoffnung ist einmal selbst ein Teil von „Work hard, play hard“ zu sein und vor allem zu testen, ob dies eine langfristige Karriereoption darstellt. Da kommen die neuen Stellen gerade recht.

The Berlin Valley

Wer nun aber hofft bei Mama kostenlos unterzukommen und dabei schwäbische Brezeln zu knuspern, wird enttäuscht. Die Hochburg der deutschen Startup-Szene ist und bleibt Berlin. Von den ausgeschrieben Stellen der Startups befinden sich 289 und damit 26% in der Hauptstadt. Ein dichtes Netzwerk rund um Investoren, Gründer sowie der kreativ-gesteigerte Gedankenaustausch, machen einen Umzug in diese Gegend auch für Mitarbeiter auf Zeit interessant, die lediglich auf ihre eigene große Chance warten.

Wer ein Problem mit der Hauptstadtkultur hat, sollte von Spätzle-Attacken auf das Denkmal am Kollwitzplatz absehen und sich lieber im Weißwurstäquator, bei den Hanseaten oder im Rheinland umsehen. Laut Adzuna sind die Regionen Bayern, Hamburg und NRW  ebenfalls attraktiv und befinden sich im Wachstum, wenn es um Jobs in der Startup-Szene geht – insgesamt 429 Jobs sind hier ausgeschrieben. Dies ist sicherlich eine Überlegung wert, denn die „geheime Hauptstadt“ bietet mit weißen Brühwürsten und Weißbier eine echt Alternative zu Currywurst und Döner. Für die Befriedigung der kulinarischen Bedürfnisse des Startup-Karrieristen ist jedenfalls auf beiden Enden der Republik gesorgt.

The War for Talents

Der Krieg ums Talent spielt den Jobeinsteigern weiterhin in die Karten. Gerade was die IT angeht, haben die High Potentials in diesem Gebiet gute Chancen – nicht nur auf einen Job (das wäre ja zu wenig verlangt!) sondern auch auf entsprechende Entlohnung plus Signing-Bonus. Denn laut Adzuna kommen auf 21.000 Hochschulabsolventen im Bereich IT 65.000 offene Stellen in der IT-Branche. Zusätzlich zu diesen verschobenen Machtverhältnissen machen die jungen Startups den etablierten Unternehmen das Leben zusätzlich schwer. Sie stehen nämlich im direkten Wettbewerb um diese jungen Talente. Hier lassen sich entsprechende Renditen auf dem Weg zum Nachfrage/Angebots-Equilibrium erahnen! Also an alle ITler da draußen: Zurück aus dem Urlaub und ab in den Job! Die pralle Sonne ist für die blasse Haut sowieso nicht gesund!

Denn gerade Startups mit entsprechend viel Investorenkapital in der Tasche, lassen für ihre Haus-Nerds einiges springen. Wer Glück hat, bekommt einen brandneuen Audi gleich zum Vertrag dazu. 23% der offenen Stellen in der Startup-Branche verlangen nach IT-Wissen und hier vor allem nach dem Programmiersprachen C++, SQL, Java und PHP. Wer sich jedoch nicht auf diese alten Pferde satteln möchte, kann sich entsprechend um Kenntnisse in Python sowie Ruby bemühen. Die Nachfrage nach diesen beiden Sprachen ist laut Adzuna jeweils um 26% sowie 31% gewachsen, was sie zu den Programmiersprachen mit dem größten Wachstum macht.

STARTUPS

Startups

Aber was ist mit denen, die nicht in Zahlen und „<%&#@“ sprechen sondern in tatsächlichen Worten? Keine Sorge: auch für diese Talente haben die Startups Verwendung. Die Bereiche PR, Werbung sowie Marketing sind gleich stark gefragt: 23% der Jobausschreibungen verlangen nach entsprechenden Vorkenntnissen. Laut Adzuna ist dies ein gutes Signal für Quereinsteiger in die Branche!

Die Startups, die am meisten neuer Mitarbeiter einstellen, sind Zalando, GlossyBox und Home24, die zusammen für insgesamt 162 der ausgeschrieben Stellen verantwortlich sind. Diese von Inkubatoren ins Leben gerufene Startups zeigen laut Adzuna, dass Berliner Inkubatoren entsprechende Job-Maschinen darstellen. Zalando, GlossyBox und ad2games alleine haben zusammen fast 200 offene Stellen ausgeschrieben, so die Studie.

Gut für dich. Gut für mich. Gut für Deutschland

Wie wichtig neue Gründungen für die deutsche Wirtschaft sowie die Gesellschaft sind, habe ich in vorherigen Beiträgen bereits beschrieben. Sie schaffen nicht nur Arbeit sondern entlasten Systemrelevanzen, während sie gleichzeitig zur Diversifikation des Risikos durch Schocks (wie zum Beispiel durch die Finanzkrise 2008 ausgelöst) beitragen. Natürlich kommt keine Alternative ohne Pros und Contras daher – so auch nicht diese Jobalternative für die jungen Arbeitnehmer.

Matthias Lissner, Country Manager Germany bei Adzuna, kommentiert hierzu: „Diese aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass die deutsche Startup-Branche erwachsen geworden ist. Wir haben in Deutschland eine ganze Zahl von gut finanzierten, profitablen Startups, welche es als Arbeitgeber durchaus mit etablierten Unternehmen aufnehmen können. Es versteht sich von selbst, dass Startups in der Regel nicht die gleichen Gehälter wie große Unternehmen zahlen können; allerdings bieten Startups dafür eine Reihe anderer Vorteile wie z.B. ein dynamisches Arbeitsumfeld, Aktien-Optionen sowie die Möglichkeit, Einfluss auf die Geschehnisse im Unternehmen zu haben.“

Aber auch Stefan Glänzer, Unternehmer und Partner bei Passion Capital, stimmt der Auffassung über die positiven Wirkung der Startups auf die Wirtschaft zu: “Ich sehe enormes Potenzial für die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch die Wachstumsbranche digitaler Startups in Deutschland. Es wird immer deutlicher, dass junge Technologie-Unternehmen einen nachhaltig positiven Einfluss auf den deutschen Arbeitsmarkt und die Wirtschaft haben. In ganz Deutschland sehen wir junge und vielversprechende Unternehmen im Aufwind.“

APPLYDie Startup-Szene wächst also und bietet so immer mehr Vertretern der Generation Y Alternativen, zum etablierten Arbeitsmarkt. Chancen und Risiken könnten sich in dieser Branche gut mit denen vieler junger Arbeitnehmer decken und auch der demographische Wandel sowie Bologna spielen den Ypsilanten hier in die Karten. Eigentlich müssen sie nur noch zupacken und loslegen. Von daher wird es Zeit Likes nur Buttons sein zu lassen, Shares für sich zu behalten und sich an den eigenen CV zu machen – denn das Geld liegt auf den Straßen Berlins und Deutschland braucht euch!

Habt ihr euch schon beworben? Ist dies eine echte Alternative für den Jobeinstieg? Ich freue mich auf eure Meinung und eine angeregte Diskussion!

6 replies »

    • Lieber Alex,

      Ich freue mich, dass du fragst! Wie du wahrscheinlich bereits weißt, verbinden wir mit Startups – vor allem in der Technologiebranche – das Kalifornische Silicon Valley. „Silicon“ bezieht sich hier auf das Silizium, das vor allem in der Herstellung von Halbleitern sowie Computerbauteilen verwendet wird. Daher hat das Silikon, das zum Beispiel in der Schönheitschirurgie zum Einsatz kommt, direkt erst mal nichts mit „Silicon“ zu tun [außer natürlich dem Klang des Wortes, der näher an „Silicon“ als an „Silizium“ liegt). Warum habe ich den Titel also dennoch so gewählt? Nun zum einen interessieren sich die meisten Leser nicht für den Unterschied zwischen Silizium und Silikon – wer sich mit dem Thema nicht in der Tiefe auseinandergesetzt hat, weiß meist gar nichts mit Silizium anzufangen (das behaupte ich jedenfalls). Da wir Deutschen aber laut Edward T. Hall eine mehr oder weniger „High-Context-Culture“ sind, habe ich mir diesen Wortwitz, der zugegeben ein wenig um die Ecke gedacht ist und sowohl auf das „Silicon Valley“ als auch auf den mit steigendem Reichtum zunehmenden „Silikonanteil“ am Körper einiger Jet-Set-Ladies anspielt, erlaubt.

      Beste Grüße,

      Thorsten

  1. Hey, ist ja wie so oft ganz interessant aber wenn dann Bewerbungen geschrieben werden kommt nach eigener Erfahrung sehr wenig Resonanz zurück. Wodurch sich für mich folgende Frage ergibt: wie soll eine Bewerbung für die Start ups aussehen? Kreative kommen genauso zurück wie innovative Videobewerbungen oder klassische Bewerbungen! Eine Antwort auf diese Frage habe ich bis jetzt nicht gefunden. Es ist ziemlich schwierig eine solche Frage zu beantworten und Startups einzuschätzen ohne diese zu kennen. Mittlerweile denke ich das die Kontakte und Bekanntschaften zählen und nicht die ganzen Jobs auf die man sich bewerben kann.

    • Hallo Yvonne,

      Gute Frage. Von außen ist das immer schwierig einzuschätzen. Zwar kann es sein, dass gewissen Stellen eventuell mit Anfragen überhäuft werden und die entsprechenden internen Strukturen diese noch nicht auffangen können – dies sollte aber eigentlich keine Entschuldigung sein. Auf eine Bewerbung nicht zu antworten, ist unprofessionell – egal ob Startup oder DAX-Konzern. Wenn dann doch etwas zurück kommt, wäre es interessant mal nach genauerem Feedback zu fragen. Sowas hilft immer weiter und der ein oder andere Personaler tut einem den Gefallen auch.
      Danke für deinen Kommentar und weiterhin viel Erfolg!

      Thorsten

      P.S: Wenn ich mal was dazu finde, werde ich es hier posten!

  2. Hallo Yvonne, hallo Thorsten, ich denke nicht, dass es die „richtige“ Bewerbung für start-ups gibt. Für fehlende Resonanz vermute ich zwei Gründe: 1. die Gründern sind noch unsicher, was sie wirklich suchen. Und treffen deswegen keine Entscheidung, obwohl sie offiziell eine Stelle ausgeschrieben haben. 2. wie Thorsten schon schrieb, es fehlen die internen Strukturen und das Tagesgeschäft steht im Vordergrund. Und 3. wird es sicherlich so wie auch in den etablierten Unternehmen sein: Professionelles Recruiting ist nach wie vor eine Seltenheit. Herzlichen Gruß, Henrik

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s