Forderungen

Gute Vorsätze für 2014: Work-Life-Blending vs. 4-Tage-Woche – auf jeden Fall weniger Arbeit!

Die Generation Y meckert ungebrochen am Status-Quo der Arbeitswelt. Bestärkt durch die gute Wirtschaftslage, gefördert durch das deutsche Bildungssystem und begünstigt durch den demografischen Wandel fühlt sie sich so stark wir nie, ihre Vorstellungen mittelfristig umsetzen zu können. Eine dieser Forderungen ist das sogenannte „Work-Life-Blending“, bei dem die Arbeit an den Bedürfnissen des einzelnen Ausgerichtet wird, sodass sie in das Alltagsleben integriert werden kann. Im Folgenden möchte ich diese Forderung einmal kritisch begutachten und stattdessen ein altes Konzept heraus kramen, das mein guter Vorsatz für 2014 wird: Weniger arbeiten!

German-World-Problems

Work-Life-Blending

Eine Forderung, die die Vertreter der Generation Y immer wieder formulieren, ist die Aufhebung der Trennung von strikter Arbeit und striktem „Leben“. Stattdessen soll diese mit dem persönlichen Leben verschmelzen und die Ypsilanten als Individuen im Gesamtkunstwerk aufgehen lassen. Der schöne Gedanke: Wenn zwischen „leben“ und „arbeiten“ nicht mehr unterschieden werden muss, erschaffen wir uns das „Freizeitparadies“ auf Erden.

Dies ist eine Forderung die hauptsächlich in Deutschland gestellt wird und in anderen Ländern – wie den USA – GenYlern völlig fremd ist. Warum ist das so? Nun – vor allem, weil das sogenannte „Work-Life-Blending“ dort bereits seit Jahrzehnten Gang und Gebe ist. Eine Kultur, die mit einem Anspruch auf lediglich 5 Tage bezahltem Urlaub im Jahr ins Berufsleben startet, ist auf ein solches Konzept angewiesen. (Zum Vergleich: In Deutschland sind es manchmal bis zu 30 Tagen!!!) Am Vormittag nochmal kurz zum Zahnarzt, weil in drei Monaten kein Termin zu kriegen ist, Lunch mit den Friends kann schon mal 2 Stunden dauern und die Telefonate mit der Fiancé zwecks Hochzeitsplanung können auf keinen Fall bis zum Abend warten.

Weniger Arbeit und mehr Produktivität

All das ist in Deutschland verpönt. Das Handy während der Arbeitszeit checken ist nicht und auch die Mittagspause bitte pünktlich beenden. Und wer zum Arzt muss – das geht auch an Urlaubstagen. Natürlich ist diese Darstellung etwas überspritzt, dennoch lassen sich die beiden Kulturen so recht gut vergleichen. Das Ende vom Lied ist jedoch ebenso bekannt wie überzeugend: Wir Deutsche arbeiten weniger, sind jedoch wesentlich produktiver als unsere angelsächsischen Freunde. Warum? Wir lieben Effizienz und das nicht nur bei unseren geliebten Maschinen. Die Fokussierung auf die Tätigkeit und die oben beschriebene Stränge, tragen genau hierzu bei. Die gesteigerte Produktivität liegt vor allem an der effizient genutzten Arbeitszeit. Ist das lustig und macht Spaß? Nein. Aber es bringt Geld ins Haus. Da freut sich Mustermann und Merkel.

Die Gefahren von Work-Life-Blending

Genau hier könnte das „Work-Life-Blending“ zu nicht gewollten Resultaten führen. Auf der einen Seite steht der Mensch, der irgendwann nicht nur nicht mehr zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden muss – sondern dies gar nicht mehr kann. Eine ständige Erreichbarkeit auch nach Feierabend, permanentes Aufarbeiten der Tagesaufgaben im Kopf und eine Belastung des gesamten Lebens durch stressige Phasen im Job könnten die Folge sein. Über Feiertage, Wochenenden, Feierabende und Ferien hinweg könnte sich der Job dann breit machen. Gesteigerte Ausfallraten, geringere Motivation und ein gestörtes Privatleben wären möglich.

Auch wenn sich der erste Teil mehr oder weniger im Feld der Spekulationen befindet, so sind die Folgen für die Unternehmensseite relativ schnell ersichtlich. Würden wir mit der existierenden Arbeitszeit ein „Work-Life-Blending“ einführen, würde dies in einer erheblichen Reduktion der Effizienz und somit der gesamten Produktivität der deutschen Wirtschaft führen. Es wird weniger Output generiert, Arbeitsplätze müssen abgebaut werden und von dem guten Wirtschafsklima können wir uns auch verabschieden.

Wird das Konzept „Work-Life-Blending“ also nicht entsprechend zu Ende gedacht, könnte aus dem schönen Gedanken von Kompatibilität der Frei- und Arbeitszeit eine Negativsummenspiel werden, das nur Verlierer kennt. Das findet dann Mustermann ebenso doof, wie Merkel.

Arbeit ist (nur) das halbe Leben…

Dabei gibt es einen viel simpleren Weg zu mehr Raum für persönliche Entfaltung und erhöhter Lebensqualität: weniger Arbeit! Ich bin nicht der Erste, der die Idee der 4-Tage-Woche aufbringt, allerdings muss ich mich fragen: Warum arbeiten wir denn immer noch 5 Tage in der Woche? Wer hatte denn bitteschön diese dämliche Idee 5 von 7 Tagen mit Arbeit zu verbringen?!?! Wäre ich nicht mit diesem Konzept aufgewachsen und würde sich nicht mein komplettes soziales Umfeld diesem beugen, so hielte ich das für einen verdammt schlechten Deal. 5 von 7 Tagen! Das sind mehr als 70% meines Lebens! Hallo?

Echte Alternativen?

Anstatt nun auch noch die restliche Zeit durch Work-Life-Blending mit in die Arbeitszeit einzugliedern, plädiere ich daher eher für eine Reduktion der Arbeitszeit auf 4 Tage in der Woche (erstmal). Arbeiten wir doch lieber von 8 bis 19 Uhr an vier Tagen der Woche (die meisten von uns arbeiten sowieso länger als das und zwar an 5 von 7 Tagen!!!) und haben dann FREItag frei – plus das gesamte Wochenende. Somit haben wir genug Zeit zur Erholung und können an drei freien Tagen eigenen Projekten nachgehen. Dies wiederum resultiert in einer gesteigerten Produktivität an den vier Arbeitstagen, mehr Motivation und langfristig (achtung haltlose Prognose!) gesteigertes Wachstum!

Viel zu lange befinden wir uns in der negativen Spirale von gesteigerter Produktivität durch Technologie, resultierendem Arbeitsplatzabbau und längeren Arbeitszeiten. Aber muss das sein? Lassen wir es doch gut sein, halten den Output konstant (oder fahren das Wachstum etwas herunter) und entlasten stattdessen die persönlichen Anforderungen an jeden Arbeitnehmer.

Überraschung: Deutschland ist kein Entwicklungsland

Wir leben in Deutschland in einer entwickelten Gesellschaft (zumindest dem Wohlstand nach). In einer solchen, müssen Ansprüche an das tägliche Leben sowie das Arbeitsumfeld entsprechend nachziehen. Wann immer es um „Luxusprobleme“ wie „zu viel Arbeit“ geht, schauen wir mahnend nach Ost und West um Vergleiche anzustellen, mit denen „die da aufholen“ bzw. schon jetzt viel innovativer sind und sowieso mehr arbeiten. Vergleiche, die jeder gerne anstellen kann, die jeder aber ebenso gerne als irrelevant bezeichnen darf. Schauen wir doch lieber nach Nord und Süd – besonders nach Nord. Die skandinavischen Länder sind uns schon lange um Welten voraus, wenn es um gesellschaftliche Modelle geht, die der Allgemeinheit ein besseres Leben verschaffen. Hohe Produktivität, Sauna und weniger Arbeit. Warum nicht auch hier?

Mein guter Vorsatz für 2014 ist klar: Weniger Arbeit. Ob durch Work-Life-Blending oder 4-Tage-Woche, das Wichtigste ist, dass der Mensch in einer entwickelten Gesellschaft genug Zeit und Energie hat, sich selbst zu verwirklichen und den Dingen nachzugehen, die ihm Freude bereiten. Denn, nur mal zur Erinnerung: Das war ja der Punkt des ganzen Aufwandes, der Industrialisierung und des Fortschritts und allem: Ein besseres Leben in Frieden und Wohlstand. Ich finde wir sind auf einem guten Weg und es lohnt sich konsequent weiterzugehen.

Happy New Year!

Ich wünsche allen Lesern einen guten Rutsch, ein frohes neues Jahr 2014 und dass wir alle dem Frieden und Wohlstand ein Stückchen näher kommen.

 „Aber! Aber! Aber!“ und warum es niemals dazu kommen wird

Ach… wären das schöne letzte Worte gewesen. Leider muss ich aber nochmal nachhaken. Ich kann schon die Fragen hören: „Meinst du das ernst?!“ „Aber das geht doch nicht! Was ist mit dem Wettbewerb, China und dem Rest der BRICs?“ Um dem vorwegzugreifen: Wie immer präsentiere ich hier nur Gedanken, die gerne diskutiert werden können. Ja, die Vor- und Nachteile beider Modelle halte ich für realistisch und dass weniger Arbeiten besser ist als mehr, ist ja wohl äußerst eingängig. Das Problem jedoch fängt schon beim Verfasser dieses Textes an, der selbst weder Wochenenden noch Urlaub kennt und von daher ist „weniger Arbeit“ auch für mich persönlich ein Ziel für 2014.

National oder gar global betrachtet, ist der Kapitalismus jedoch tatsächlich ein Wettbewerb. Um die gesamte Maschinerie abzukühlen und herunterzufahren, braucht es eine kritische Masse an Pionieren, die von sich aus kürzer treten. Sind dies Individuen, kommen sie wahrscheinlich nie an Führungspositionen in Unternehmen, um ihre Konzepte durchzusetzen. Handelt es sich um Unternehmen, werden diese vom Markt verschwinden, wachsen sie freiwillig anstatt 20% nur noch um 15%. Bei Staaten lauert der Bankrott und der Sog in die allgemeine Schieflage.

Um solche (prinzipiell wirklich beachtenswerten) Gedankengänge in Realitäten umzuwandeln, braucht es daher tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft und ihrer Kultur. Die Welt ist ein heterogener Ort und während die Generation Y und ihre Querelen hierzulande ein heißes Thema darstellen, dem ganze Kongresse gewidmet werden, könnte in Indien damit niemand einen Blumentopf gewinnen. Selbst in den USA ist die Thematik (hinsichtlich ihrer transformatorischen Eigenschaften was den Arbeitsmarkt betrifft) nicht mal annähernd so akut wie in Deutschland. Von daher verhält es sich mit diesem guten Vorsatz wie mit den meisten: Spätestens Mitte Januar ist alles wieder vergessen und vorbei – und das Hamsterrad dreht sich wie gewohnt weiter.

Deutschland – Land der Pioniere

Dies können aber auch auf keinen Fall die letzten Worte sein, die ich in diesem so großartigen und wichtigen Jahr 2013 veröffentliche. Schon aus Prinzip nicht! Deshalb folgender und letzter Gedanke:

Vielleicht hat ein Land, das sich trotz aller Widrigkeiten dazu entscheidet, das erste Land zu werden, das sich komplett durch regenerative Energien versorgt, Potential für noch Größeres. Vielleicht können Deutschland und wir alle unseren Teil dazu beitragen, dass unser Land tatsächlich ein Zukunftsstaat wird, indem wir alle gerne Leben und Arbeiten. Und auch wenn ich die Faktoren – so wie sie sind – rational anerkennen und die geringen Chancen auf Veränderung eingestehen muss, so darf ich dennoch eines: hoffen.

Auf ein hoffnungsvolles Jahr 2014 – Cheers!

2 replies »

  1. Eine vier Tage Arbeitswoche klingt sehr verlockend und wäre meiner Ansicht nach auch ein sehr effektives und nützliches Wirtschaftsmodell für die Zukunft. Wie der Autor ganz richtig sagt, wäre es uns in den westlichen Ländern möglich, sich diesen Luxus zu leisten. Die Technologie nimmt der Menschheit viele Arbeiten ab oder erleichtert den Beruf. Würde man die Arbeit besser auf die Bevölkerung verteilen, also mehr Arbeitslose ins Berufsleben einbinden und eventuell auch das Pensionsalter etwas anheben, wäre eine kurze Arbeitswoche keine Traumvorstellung mehr. Doch leider bin ich, was die Durchführung dieser Idee betrifft, ebenfalls sehr skeptisch. Konkurrenzkampf und Wettbewerbsdruck wirken hemmend auf die Umsetzung, aber auch in den Köpfen der Menschen herrscht glaube ich eine Abwehrhaltung gegen das Prinzip. Man möchte an alt bewährten Traditionen festhalten und hat Angst vor finanziellen Problemen. Doch vielleicht hat dieses Misstrauen auch sein Gutes, schließlich ist nicht alles Gold was glänzt und die Traumvorstellung von der 4-Tage-Woche würde sich doch eher in ein finanzielles Desaster verwandeln.

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